Dienstag, 4. Juli 2017

Paramore is still a band - Konzertbericht 02.07.2017 Berlin


Knappe vier Jahre ist es her, dass die amerikanische Pop-Rock Band Paramore zuletzt in Berlin für ein Konzert zu Gast war. Weitere vier Jahre ist es her, dass ich selbst die Band live sehen konnte. Seit dem hat sich viel getan. Sowohl musikalisch, als auch in der Besetzung. Gründungsmitglied Zac Farro ist nach Jahren wieder an den Drums und damit an der Seite von Gitarrist Taylor York und Frontfrau Hayley Williams. Im Gepäck hat die Truppe das überraschend kurzfristig angekündigte und ebenso flott veröffentlichte Album After Laughter, welches musikalisch größtenteils für die Band ungewohnte Töne anspielt. Aber dazu später mehr.

Mein Gefühl nach knapp anderthalb Stunden Show sagt mir, dass die Band nach den Erfolgen der letzten Jahre, die u.a. im Gewinn eines Grammy Awards mündeten, wieder deutlich schlichter, bodenständiger und kleiner zu Werke geht. Was man allerdings von der Bühnenpräsenz Paramores nicht behaupten kann. Neben Williams, Farro und York haben es satte vier Gastmusiker auf die Bühne geschafft. Kein Wunder, dass die Ticketpreise mit knappen 50 EUR doch recht hoch ausgefallen sind. Aber dafür bekommt man auch einiges geboten. Im Mittelpunkt steht natürlich die charismatische Sängerin Hayley Williams, die nach wie vor mit ihrer Energie und fantastischen Stimme überzeugt. Dass Sie es in den letzten Monaten und vielleicht Jahren mit dem Erfolgsdruck und ihrem Privatleben nicht ganz einfach hatte beweisen nicht nur einige rührende Ansagen zwischen den Songs, sondern eben auch jene Lyrics zu diesen. Insbesondere die neuen Songs klingen melodisch eher beschwingt, sind aber textlich fast schon bitterböse.

Und so beginnt auch die Show mit der zweiten Singleauskopplung des neuen Albums After Laughter. Told You So zieht den scheinbar ausverkauften, auf jeden Fall exzellent besuchten Berliner Admiralspalast sofort in seinen Bahn. Dabei ist es nicht unbedingt so, dass das neue Songmaterial, welches sich deutlich Richtung 80s-Pop der Marke Blondie oder Cyndi Lauper bewegt, bei allen Anhängern der Band im Vorfeld gut angekommen ist. Aber Bands entwickeln sich eben weiter und das ist auch gut so. Und es ist auch nicht so, dass man hier eine Totalverwandlung, wie aktuell bei Linkin Park zu begutachten ist, vollführt hat. Nein, die Gitarren und die Power steht weiterhin im Vordergrund. Mit That's What You Get und Brick By Boring Brick folgen zwei Highlights des Repertoires der Band. Emotionale und treibende Songs, ganz nach meinem Geschmack. Auch der klebrige Ohrwurm Still Into You begeistert das Publikum. Viele der im Theater anwesenden Anhänger der Band dürften erst durch Songs wie Still Into You des kommerziell so erfolgreichen selbstbetitelten Albums zur Musik der Band gestoßen sein. Dementsprechend laut wird es.


Im nächsten Abschnitt der Show zeigen Paramore nicht nur ihre verschiedenen musikalischen Facetten, sondern auch ihr Talent für merkwürdige Entscheidungen bezüglich der Songauswahl. Turn It Off gehört zumindest für mich persönlich nicht zu den Glanztaten der Band. Dass Decode und damit einer der zwei bis drei größten Hits der Band einen Platz in der Setliste finden muss war dagegen klar. Ob mit I Caught Myself ein weiterer Song des Vampirdrama-Soundtracks gespielt werden muss, sei jedoch dahingestellt. Anschließend wird es ganz ruhig, denn die ersten von zwei reinen Balladen des Abends steht auf dem Plan. Hate To See Your Heartbreak zeigt ein weiteres mal eindrucksvolle die gesanglichen Qualitäten von Hayley Williams. Dann wird es wieder deutlich lauter. Mit Fake Happy und dem großartigen Rose-Colored Boy serviert die Band zwei weitere tolle Songs von After Laughter. Insbesondere der Mitsingpart des letzt genannten Songs animiert die Fans im Admiralspalast. Doch zwischen den beiden Stück entpuppt sich vor allem das Fleetwood Mac Cover zu Everywhere als echte Überraschung im Set. Paramore spielen eine respektvolle Adaption des Klassikers, im übrigen eines meiner absoluten Lieblingslieder.

Der Hauptteil der Show wird nach Fanliebling Playing God mit den zwei anderen großen Hits der Band nach Decode abgerundet. Das mit dem Grammy ausgezeichnete Ain't It Fun ist auf Platte schon großartig, aber live eine echte Wucht. Im Chor begleitet der Saal Sängerin Williams lautstark mit. Gänsehaut. Das Hauptset schließt das rockige Misery Business ab, welches seinen zehnjährigen Geburtstag feiert und dementsprechend würdig gefeiert werden muss. Zum Showdown des Songs dürfen drei Leute aus dem Publikum auf die Bühne, die sowohl Farro an den Drums, als auch Williams am Mikrofon unterstützen dürfen. Ehrlich gesagt bin ich kein Fan solcher Aktionen, da diese eigentlich nur für die Beteiligten auf der Bühne einen besonderen Wert darstellen. In den ungünstigsten Fällen wird sogar ein ganzer Song durch die Anwesenheit von Anhängern auf der Bühne zerstört. Hier ist das jedoch nicht so. Zum einen handelt es sich nur um knapp 30 Sekunden und zum anderen hat sich die Mitwirkung der drei Leute nicht negativ auf den Song ausgewirkt. Doch dann wird es erstmal obligatorisch dunkel.


Nach wenigen Minuten Pause kommt die Band für die Zugabe auf die Bühne. Diese besteht aus drei weiteren Songs. Den Anfang macht die wundervolle Ballade Forgiveness, die zu den Highlights von After Laughter gehört. Anschließend wird ein wenig das Comeback von Drummer Zac Farro gefeiert, der nach vorne ans Mikrofon kommt und mit dem Rest der Band das Half Noise Cover Scooby's In The Back performt. Nach dem Sängerin Williams ein weiteres mal für eine kleine, emotionale Ansprache zum Mikro greift, erwartet uns der große und damit abschließende Höhepunkt der Show. Die unfassbare gute erste Single-Auskopplung Hard Times des aktuellen Albums lässt noch einmal den ganzen Admiralspalast beben. Für mich ist der Song schon jetzt nach so kurzer Zeit der vermutlich beste Song im Werk der Band. Der groovig tanzbar poppige 80s Sound gepaart mit den finsteren Lyrics ("Tell me that I'm alright, that I ain't gonna die") ist einfach unglaublich gut. Ein Ohrwurm den ich stundenlang am Stück hören könnte. Und durch die Live-Energie der Band kommt der Song doppelt gut rüber und auch beim euphorischen Publikum an.

Und so geht ein wirklich bemerkenswert guter Abend zu Ende. Sicherlich hätte ich persönlich einige wenige Stück gegen andere (Crushcrushcrush, Careful, Now) ausgetauscht, aber dieser Eindruck ist ja völlig subjektiv. Ich hatte vor vielen Jahren die Möglichkeit die Band persönlich kennen zulernen und mein Eindruck von damals, hat sich auch nach dieser Show nicht geändert. Es sind einfach ein paar Kindheitsfreunde die zusammen Musik machen, sich dabei auch mal streiten, aber am Ende doch mit einem Lächeln von der Bühne gehen. Vermutlich.

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